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#29 [Journal] Published: 15.05.2026
Cover-Bild: Agrola-Schnellladestationen wechseln zu Powerup: Was das für Elektroauto-Fahrer bedeutet

Agrola-Schnellladestationen wechseln zu Powerup: Was das für Elektroauto-Fahrer bedeutet

Bis Sommer 2026 werden alle öffentlichen Agrola-Schnellladestationen in das Powerup-Netz integriert.

Die Schweizer Ladeinfrastruktur wird neu geordnet. Bis Sommer 2026 werden alle öffentlichen Agrola-Schnellladestationen in das Powerup-Netz integriert. Dahinter steckt ein Joint Venture, das im September 2024 von der Schweizerischen Post und der fenaco Genossenschaft zu je 50 Prozent gegründet wurde. Was ändert sich für Nutzerinnen und Nutzer, und was steckt strategisch dahinter?

Was Powerup ist und wie es entstand

Powerup ist kein Rebranding eines bestehenden Produkts, sondern ein neu gegründetes Unternehmen. Post und fenaco haben im September 2024 die Verträge unterzeichnet und das Joint Venture lanciert. Seit Mitte 2025 steht das Angebot an rund 50 Standorten zur Verfügung. Bis 2030 soll das Netz auf 300 Standorte mit insgesamt 1500 Ladepunkten ausgebaut werden, unter anderem bei Postfilialen, Agrola-Tankstellen, LANDI-Läden, Topshop und Volg.

Die Integration der bestehenden Agrola-Schnellladestationen in dieses Netz ist ein zentraler Baustein dieser Strategie und soll bis Sommer 2026 abgeschlossen sein.

Was sich für Nutzerinnen und Nutzer ändert

Die Stationen werden schrittweise mit dem neuen Powerup-Design versehen. Technisch bleiben sie unverändert in Betrieb, bestehende Ladekarten und Apps können weiterhin verwendet werden. Die Abrechnung läuft über die Powerup-App, kontaktlose Bezahlung direkt an der Station sowie Roaming-Abkommen mit Drittanbietern.

Ein konkreter Vorteil der Integration: Die Agrola-Standorte befinden sich häufig in ländlichen Regionen und entlang der Hauptverkehrsachsen, also genau dort, wo Ladeinfrastruktur bisher lückenhaft war. Powerup schliesst damit geografische Lücken, die für Langstreckenfahrten entscheidend sind.

Strom aus erneuerbarer Energie und Microgrids

Ein Merkmal des Powerup-Netzes ist der Einsatz von 100 Prozent Schweizer Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Post und fenaco planen zudem Investitionen in sogenannte Microgrids, lokale Energiesysteme mit Solarstrom, der in Batterien zwischengespeichert wird. Das ermöglicht auch an Standorten mit begrenzter Netzkapazität leistungsstarkes Laden.

Ein Beispiel aus der Praxis: Im Oktober 2025 eröffnete AGROLA in Konolfingen eine Station mit einer 400-kW-Schnellladestation für Personenwagen sowie einer Hochleistungsladestation für E-LKW mit bis zu 600 kW Leistung. Der Standort gehört zu den ersten in der Schweiz, an dem Lastwagen mit dieser Leistung geladen werden können.

Strategische Einordnung

Die Konsolidierung unter Powerup spiegelt eine Entwicklung, die in anderen europäischen Ländern bereits weiter fortgeschritten ist: Grosse, finanzstarke Akteure lösen die Vielzahl kleiner Anbieter ab und schaffen standardisierte, flächendeckende Netze. Das erhöht die Planbarkeit für Nutzerinnen und Nutzer und schafft die Grundlage für weitere Investitionen.

Für die Schweizer Energiewende ist ein zuverlässiges Ladenetz eine Grundvoraussetzung. Wer ein Elektroauto kauft, muss darauf vertrauen können, dass Ladeinfrastruktur verfügbar ist, auch ausserhalb der Städte und auch auf langen Strecken. Powerup setzt genau hier an.

Kritisch bleibt die Frage, ob die Marktkonzentration bei wenigen grossen Anbietern langfristig den Wettbewerb und damit die Preisgestaltung beeinflusst. Die Wettbewerbsbehörden haben die Gründung des Joint Ventures geprüft und genehmigt, eine Beobachtung der Marktentwicklung bleibt dennoch sinnvoll.

Ausblick

Bis 2030 soll Powerup eines der dichtesten Schnellladenetze der Schweiz betreiben. Der Aufbau geschieht schrittweise, der Fokus liegt auf der Kombination mit bestehenden Dienstleistungsangeboten wie LANDI-Läden und Postfilialen, die Ansprechpersonen vor Ort sicherstellen und den Aufenthalt beim Laden attraktiver machen.

Die Integration erneuerbarer Energien und lokaler Speicher in die Ladeinfrastruktur ist dabei mehr als ein Marketingargument. Sie löst ein reales Problem: Viele ländliche Standorte sind netzkapazitätsmässig begrenzt. Microgrids mit Solarstrom und Batteriepuffer machen dort schnelles Laden dennoch möglich.